Engagement für Berlins Schulen

Eine Aktion der Berliner Morgenpost und der GmbH Bildungslückenfüller
Von Christa Beckmann, Berliner Morgenpost vom 23.05.2005

Berlin ist pleite. Das zeigt sich auch am Zustand der Berliner Schulen. Viele sind dringend sanierungsbedürftig, und auch für wichtige Ausstattungsgegenstände fehlt das Geld. Eine private Initiative will diesen Zustand jetzt beenden helfen.

Bröckelnder Putz, schimmelnde Wände, morsche Fensterrahmen, stinkende Toiletten: Viele Berliner Schulen laden eher zum Weglaufen als zum Lernen ein. Zwei Milliarden Euro beträgt der Investitionsstau landesweit, schätzen Experten. Doch das Land hat kein Geld, um alle Mängel zu beseitigen. Die knapp 193 Millionen Euro, die der Senat in den vergangenen sechs Jahren aus dem Schul- und Sportstättensanierungsprogramm für die Reparatur der dringlichsten Schäden ausgegeben hat, sind nicht viel mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

Angesichts dieser Misere sind neue Lösungswege gefragt - und privater Einsatz. "Frage nicht, was die Schule für dein Kind tun kann - frage, was Du für die Schule tun kannst", ist das Motto von Joachim Bartz. Ein Motto, das der Vater von drei Kindern zur Leitidee einer bundesweit einzigartigen Initiative gemacht hat. Unter dem Titel "Bildungslückenfüller" hat er die erste Spendenplattform für deutsche Schulen aufgebaut. Gemeinsam mit der Berliner Morgenpost will der 44jährige Gründer der gemeinnützigen GmbH in den kommenden Wochen hilfsbedürftige Schulen und hilfsbereite Firmen und Privatleute zusammenbringen.

"Wir können die Probleme nur gemeinsam lösen", sagt Bartz. Die Aktion "Bildungslückenfüller" versteht er "als Schulterschluß zwischen Gesellschaft, Wirtschaft und Politik" - zum Wohle der Bildung. Denn in einer maroden Schule fehle die Motivation zum Lernen und Lehren, ist Bartz überzeugt: "Wie kann ich Werte vermitteln, wenn die Fassade bröckelt?"

Das Prinzip ist einfach: Unter der Internetadresse www.bildungslueckenfueller.de tragen Schulen in der Rubrik "Bildungslücken" ein, wo sie Hilfe benötigen. "Das können nicht nur die Löcher in der Fassade oder defekte Toiletten sein, auch längst veraltete Schulbücher oder Mikroskope und fehlendes oder kaputtes Mobiliar sind Bildungslücken", sagt Bartz. In einer zweiten Liste bieten "Bildungslückenfüller" ihre Hilfe an. Beispielsweise eine Buchhandlung, die Lehrmaterialen bereitstellen kann, ein Maler, der bereit ist, kostenlos eine Fassade zu verputzen oder eine Tischlerei, die Stühle repariert. Statt Sachleistung kann auch Geld gespendet werden, das in Kooperation mit dem Bundes- und den Landesverbänden Deutscher Schulfördervereine verteilt wird. Als Anerkennung für ihren Einsatz erhalten die "Bildungslückenfüller" eine Bildungsplakette, die sie als Helfer der Schulen auszeichnet. Die Plakette ist wie ein gelber Baustein geformt und von der Marketing-Agentur "Etwas Neues entsteht" entworfen worden.

In den Bezirken ist man froh über die unbürokratische Hilfe. Der Bildungsstadtrat von Steglitz-Zehlendorf, Erik Schrader (FDP), will alle "Bildungslückenfüller" nach Kräften unterstützen. Unter anderem werde der Bezirk bei helfenden Firmen auf die Gewährleistungspflicht verzichten. "Denn wir haben Not."

Allein in Steglitz-Zehlendorf müßten pro Jahr acht Millionen Euro für Instandhaltung und Sanierung der Schulen ausgeben, rechnet Schrader. In 2005 könne der Bezirk selbst aber nur höchstens eine Million aufbringen, aus dem Sanierungsprogramm des Senats gebe es etwa 2,8 Millionen. Zu wenig, um die dringendsten Arbeiten zu erledigen. Fast nichts, um den ständig größer werdenden Berg von Altlasten abzutragen. Weil in den Schulen schon seit Jahrzehnten zu wenig gemacht worden sei, schiebe der Bezirk einen Stau von Sanierungsarbeiten im Wert von etwa 50 Millionen Euro vor sich her, sagt Schrader. "Wenn wir Renovierungsarbeiten wie das Streichen von Fluren und Klassenzimmern dazu zählen, kämen wir auf die doppelte Summe."

Zahlreiche Eltern, Schüler und Lehrer greifen deshalb schon heute regelmäßig selbst zu Pinsel und Farbe.

Mit Hilfe der Aktion "Bildungslückenfüller" können die Berliner nun noch gezielter helfen. Die Morgenpost stellt heute und in den kommenden Tagen beispielhaft Schulen mit "Bildungslücken" vor. Nach den Sommerferien werden wir über gelungene Hilfsaktionen berichten.

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